Fieber

Ein wenig werde ich das Gefühl nicht los, dass ICH heute diejenige bin, die mein Kind zum Versuchkaninchen macht (anstatt die Ärzte). Er "darf" heute zum vermutlich ersten Mal in seinem Leben Fieber haben. Und das macht er recht gut. Wir stehen seit einigen Stunden bei 39,4 und das wird wohl die schlafloseste Nacht seit langem (für mich) - und das soll was heißen. Aber er macht sich gut. Und gegen alle großen Ängst bisher auch anfallsfrei. War Fieber bisher das große, böse Monster, das es zu vertreiben galt, so habe ich das Gefühl, dass er so besser klarkommt, als mit den fiebersenkenden Mitteln der letzten Tage. Da hatte er Anfälle.

Er liegt ganz still in seinem Bettchen, verspürt scheinbar ausnahmsweise nicht den Drang sich ständig aufzusetzen. Betrete ich das Zimmer, sieht er mich aber mit ganz klaren Augen an, fast intensiver als vorher. Wir hatten oft die Vermutung, dass er Gefühle wie Durst nicht richtig deuten kann. Luis trinkt seiner Körpertemperatur entsprechend mehr (auch Wasser pur) und pieselt wie ein Weltmeister.

 So ein klein wenig schleicht sich schon das Gefühl ein, dass das jetzt gerade alles zu gerade läuft. Zu einfach wäre es, wenn sich herausstellte, dass das Kind nur mal eine Runde kräftig fiebern musste... Ein Traum...

 Ich sehe gespannt der Nacht und dem nächsten Tag entgegen...

Das Leben aufsaugen

Manchen Morgen nehme ich ihn einfach ganz fest in den Arm, um das Leben zu spüren, das in ihm steckt. Ich spüre es nicht nur, ich sauge es in mich auf. Seinen Herzschlaf, seinen Atem, seinen Geruch, alle Bewegungen (die unkontrollierten und die gezielten), seine Laute. Dann weiß ich - er ist da. Und er lebt. Sein kleines Herz schlägt, seine Lunge atmet, ja inzwischen ist er sogar in der Lage zu lautieren. Und es geht ihm gut. Ich sammle sein Lachen, jeden Tag. Ich sauge es in mich auf und halte es fest - ganz fest, ganz tief in mir drin. Wer weiß, wann ich es wieder brauche, damit es mir neue Kraft schenkt.